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Rehabilitation bei Multipler Sklerose (MS)

Ein Betrag von Prim. Dr. Christoph STEPAN MSc Rehaklinik Wien Baumgarten

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Ein Betrag von Prim. Dr. Christoph STEPAN MSc Rehaklinik Wien Baumgarten

Im Krankheitsverlauf kommt es oft, unabhängig vom Schweregrad, zu einer klinischen Verschlechterung.1 PatientInnen erleiden eine Beeinträchtigung in ihrem privaten und beruflichen Alltag, mit negativem Einfluss auf ihre Lebensqualität. Daher muss früh mit Prävention und Rehabilitation begonnen werden.

MS ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung2 und durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet. Das klinische Bild ist abhängig von der Lokalisation der Läsionen im zentralen Nervensystem und sowohl Motorik (Gangstörungen, Gleichgewicht, Koordination) als auch Kognition (Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis) können betroffen sein. Ein weiteres Symptom ist die starke Müdigkeit (Fatigue), die bei vielen PatientInnen schon in der Anfangsphase beobachtet werden kann. Sprach- und Schluckstörungen, Blasenstörungen oder sexuelle Funktionsstörungen sind auch möglich. Daher ist es wichtig im Rahmen der Rehabilitation den Betroffenen immer in seiner Gesamtheit zu sehen.

Für den Rehabilitationsprozess ist die multiprofessionelle Betreuung durch ÄrztInnen, PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, LogopädInnen, NeuropsychologInnen und DiätologInnen notwendig. Bei der Erstuntersuchung wird der Ist-Zustand erhoben und mittels einem Scoring-System erfasst. Die Berufsgruppen müssen an der Rehaklinik Baumgarten nach vorgegebenen Protokollen ein individuelles Behandlungskonzept für den Betroffenen erstellen und umsetzen.3 Wichtig ist hier die Absprache untereinander um ein Problem mit verschiedenen Ansätzen und Lösungen zu behandeln. Ziel ist es, Funktionen zu verbessern oder zu erhalten damit sekundäre Komplikationen vermieden werden.4

Basis und fixer Bestandteil jeder Therapie ist Kraft- und Ausdauertraining. So zeigt sich z.B. eine Verbesserung der motorischen und kognitiven Fatigue, der Balance, der Länge der Gangstrecke und Gangsicherheit.5,6 Zusätzlich wird auch die Regeneration des Gehirns, mit positiven Effekt auf das Gedächtnis, angeregt.7 In der Einzeltherapie wird speziell auf die individuellen Symptome eingegangen. Im weiteren Verlauf möchte ich einige Symptome und ihre Häufigkeit kurz anführen.

Gangstörungen kommen bei 10-20% der Erkrankten schon bei Krankheitsbeginn vor und steigen im Verlauf auf über 50%.8 In der Physiotherapie wird daher an der Gangqualität, Kräftigung und Kompensationsmechanismen gearbeitet.
Bei bis zu 90% der Erkrankten kann Fatigue vorkommen.7 Die extreme Müdigkeit ist ein vielschichtiges Symptom und muss sowohl im motorischen als auch kognitiven Bereich behandelt werden. Die Therapie beinhaltet neuropsychologisches Training (z.B. Planung der Tagesstrukturierung) und in der Physiotherapie werden motorische Komponenten (bspw. Gang) behandelt.

Kognitive Dysfunktionen treten bei ca. 40-65% der MS-Betroffenen auf. Zumeist sind Aufmerksamkeit oder die visuelle und räumliche Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigt. Durch computergestützte Trainings kann der Erkrankte daran arbeiten.
Bei 50% der PatientInnen entwickelt sich eine Störung des Schluckens, der Sprache und des Sprechens. Je nach Form (Sprechstörungen, Verlust des Sprechvermögens) muss die Therapie individuell angepasst werden. Bei der Behandlung von Schluckproblemen ist das Ziel die Normalisierung des Schluckvorganges. Hier werden neben den klassischen Therapien auch Trainingsgeräte eingesetzt. In diesem Bereich ist die Zusammenarbeit mit der Diätologie sehr wichtig.

Grundsätzlich sind alle Therapien alltagsrelevant. Das Geübte muss im täglichen Leben umgesetzt werden können. Daher wird großer Wert auf Dual-Task-Training gelegt. Dabei wird Bewegung mit dem Lösen von kognitiven Aufgaben verbunden.
Da MS eine chronische Erkrankung ist, ist es wichtig auch nach Abschluss der Rehabilitation zu Hause weiter zu trainieren. Regelmäßiges Training muss ein fester Bestandteil im Alltag sein um eine längere Selbständigkeit zu ermöglichen und damit die Lebensqualität zu erhöhen.

Referenzen:
1 Conradsson D. et al. Journal of Neurology. 2018; 265:119-126
2 Amatya B. et al..Cochrane Database Syst Rev. 2019 Jan 14;1:CD012732
3 Sorensen P. et al. Multiple Sclerosis. 2019;25:627-636
4 Henze T. et al. Nervenarzt. 2017;88:1421-1427
5 White LJ. et al. Multiple Sclerosis. 2004;10:668-674
6 Straudi S. et. al: BMC Neurology. 2014;14:124
7 Yunjo J. et. al: Molecules. 2018; 23, 3229
8 Henze T. et al. Nervenarzt 2017.88:1428-143


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