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Der Verlauf von MS

Man unterscheidet unterschiedliche Stadien und Verläufe:

  • das klinisch isolierte Syndrom (KIS)
  • die schubförmige MS („relapsing-remitting”, RRMS)
  • die sekundär progrediente MS (SPMS)
  • die primär progrediente MS (PPMS)

KLINISCH ISOLIERTES SYNDROM (KIS)

Auftreten einer erstmaligen typischen klinischen Symptomatik, die auf ein demyelinisierendes Ereignis hinweist.

Schubförmige MS (RRMS)

Schubförmig remittierende MS (RRMS)

Häufigste Form der MS bei Krankheitsbeginn (macht ca. 85% aller Fälle aus). Gekennzeichnet durch klar definierte Schübe, die sich meist über Tage bis Wochen entwickeln, gefolgt von einer vollständigen Remission (Erholung) oder auch mit gewissem Restdefizit. Die RRMS kann mit der Zeit in eine progrediente (fortschreitende) Form übergehen. Unbehandelt entwickeln ca 50% der Patienten nach 15 Jahren eine sekundär progrediente Form der MS, durch die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten heutzutrage reduziert sich die Häufigkeit glücklicherweise auf ca 12%.4

Sekundär progrediente MS (SPMS)

Sekundär progrediente MS (SPMS)

Beginnt stets als RRMS; Im Laufe der Zeit ändert sich jedoch der klinische Verlauf. Die Schübe werden nach und nach weniger und es kommt nicht immer zu einem vollständigen Rückgang der Funktionsbeeinträchtigungen. Das Fortschreiten der Erkrankung ist häufig unter anderem von Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder auch einer sogenannten Fatigue (erschöpfende Müdigkeit) begleitet. Aber auch alle anderen bekannten Symptome der MS können sich verschlechtern.

Primär progrediente MS (PPMS)

Primär progrediente MS (PPMS)

Die PPMS kommt in ca 15% aller MS-Fälle vor und ist die schwerwiegendste Form der Erkrankung, da sich die Behinderung schneller entwickelt. Gekennzeichnet ist diese Verlaufsform durch eine kontinuierliche funktionelle Verschlechterung ab Krankheitsbeginn meist ohne Schübe. Es lässt sich eine allmähliche, beinahe kontinuierliche Zunahme der körperlichen Behinderung beobachten. Die Krankheit beginnt gewöhnlich später als die RRMS (Durchschnittsalter ca. 40 Jahre) und die Behinderung entwickelt sich rascher.

Progredient schubförmige MS (PRMS)

Progredient schubförmige MS (PRMS)Die progredient schubförmige MS (PRMS) ist eine Mischung zwischen PPMS und SPMS und macht ca. 5% aller MS-Fälle aus. Wie bei PPMS kommt es zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Erkrankung ab Krankheitsbeginn. Allerdings treten wie bei SPMS gelegentlich Schübe auf, die den progredienten Verlauf überlagern1.

 

Schübe und Remissionen

Verlaufskurve: Schübe und Remissionen der Multiplen Sklerose

Der entzündliche Angriff auf das Myelin, der die Symptome der MS verursacht, ist nicht unbedingt ein kontinuierlicher Prozess. Vielmehr besteht bei den meisten PatientInnen das Muster aus Schub (gekennzeichnet durch einen akuten entzündlichen Schub und plötzlichen Symptomausbruch) und Remission (Rückgang der Symptome) eines der zentralen Merkmale der Erkrankung.

In frühen Krankheitsstadien kommt es oft zu einer Remission der Symptome, die vermutlich auf das Abklingen der Entzündungsprozesse und eine gewisse reparative Aktivität einschließlich Remyelinisierung (Reparatur des geschädigten Myelins) der betroffenen Axone zurückzuführen ist. Auch die Neuroplastizität spielt in dieser Phase der MS eine große Rolle. Man versteht darunter die Eigenart des Gehirns, dass verlorene Funktionen durch Verlust von Nervenzellen im Gehirn von anderen Gehirnbereichen übernommen werden können.2 Remission bedeutet nicht immer, dass alle Symptome der MS verschwinden, sondern vielmehr, dass die MS-PatientInnen meist zu dem Zustand zurückkehren, in dem sie sich vor Beginn des Schubes befanden (mit oder ohne Restdefizit).3

Mit jedem erneuten Schub erfolgt die Remyelinisierung weniger vollständig, was letztlich zu einer immer stärkeren Axonschädigung und einem zunehmenden Verlust der Signalübertragung führt.

Referenzen:

1 Ulf Baumhackl: ÖSMB-Österreichische Multiple Sklerose Bibliothek 2.Auflage 20172 G.
2 Yang, C. S. Lai, J. Cichon, L. Ma, W. Li, W. B. Gan: Sleep promotes branch-specific formation of dendritic spines after learning. In: Science. 344(6188), 2014, S. 1173–1178.
3 Volker Limmroth, Eckhart Sindern: Multiple Sklerose. Thieme, Stuttgart 2004
4 Inojosa et al, Focus on SPMS_2019_J of Neurology_httpsdoi.org10.1007s00415-019-09489-5

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