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Die Macht der Achtsamkeit

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Achtsamkeit, ist ein Modewort und hat gleichzeitig mehrere tausend Jahre Geschichte. Wenn ein Begriff alle Moden überdauert, dann muss etwas sehr Wichtiges drinstecken. Mittlerweile hat auch die Wissenschaft festgestellt, dass Achtsamkeit als Haltung und Praxis gerade auch bei chronischen Erkrankungen sehr hilfreich ist.
Schon vor vielen tausend Jahren haben sich Menschen damit beschäftigt, wie das Leben gestaltet und Leidvolles besser ausgehalten werden kann. Die Antwort hat stets etwas mit Gelassenheit zu tun. Die alten Griechen wollten die stoische Ruhe kultivieren. Durch Selbstbeherrschung sollte der Mensch sein Los akzeptieren lernen und so Seelenruhe und Weisheit erlangen. Dafür müsste der Mensch zum Beispiel erkennen, dass es zwei Arten von Ängsten gibt, die erste ist eine Reaktion auf das Hier und Jetzt und die zweite eine Fantasie. Wenn ich augenblicklich in Gefahr bin, weil mich zum Beispiel ein Hund anknurrt, dann habe ich eine reale Furcht. Wenn ich mir Sorgen mache und ich mich in katastrophalen Grübeleien verliere, dann erzeuge ich eine fantasierte Angst.

Die eigene geistige Aktivität als Segen und als Fluch zugleich wurde aber nicht nur im alten Griechenland studiert, auch im fernen Osten haben Menschen ähnliche Schlussfolgerungen gezogen. Ein indischer Gelehrter und buddhistischer Mönch, schrieb zum Beispiel, dass der eigene Geist wie ein wilder Elefant ist, den es zu zähmen gilt. Denn aus diesem elefantösen Geist entstehen alle Ängste und unendlich viele Sorgen. Wenn der Elefant des Geistes aber mit dem Seil der Achtsamkeit rundum gebunden ist, dann verschwindet alle Furcht und vollständiges Glück entsteht.

Was ist nun Achtsamkeit?
Achtsamkeit ist einerseits eine Haltung und eine Praxis. Die Haltung ist geprägt davon, dass wir alle miteinander verbunden sind und in dieser Verbundenheit achten wir auf unsere Handlungen und unsere Art und Weise auf der Welt zu sein. Wem das zu abstrakt ist, dem hilft die Praxis.

Wie übt man Achtsamkeit?
Wenn Sie hier und jetzt jedes Wort voll aufmerksam lesen, aus den vielen Buchstaben, die von ihren Augen erfasst werden, Wörter und Sätze bilden, und Sie sich jetzt dabei in aller Ruhe beobachten, welche Wirkung diese Worte in Ihnen entfalten, dann sind Sie achtsam. Denn die Kunst der Achtsamkeit ist voll und ganz das zu tun, was man eben gerade jetzt tut. Die klassische Übung dazu wäre zum Beispiel die eigene Atembewegung zu beobachten. Voll und ganz im Hier und Jetzt atmen, mehr nicht. Das über mehrere Minuten zu machen ist sehr schwierig, weil unser Geist eben ein wilder Elefant ist, der in ständiger Unruhe ist.
Eine andere Übung wäre, die eigenen aktuellen körperlichen Empfindungen, vom Kopf bis zu den Zehen der Reihe nach wahrzunehmen, ohne sie zu verurteilen. Zwei Effekte sind dabei relevant: Erstens erkennen wir, dass es manchen Körperteilen immer gut geht. Zweitens, dass wir dort wo wir unangenehme Empfindungen haben, uns nicht noch zusätzlich dafür verurteilen müssen, sondern lernen können, diese Empfindungen so gut wie möglich anzunehmen und vorbei ziehen zu lassen. Natürlich ist das bei Schmerzen umso schwieriger, aber genau deshalb ist es umso wichtiger, sich darin zu üben.

Was bringen diese Übungen
Diese Übungen helfen, dass wir Schmerzen besser verkraften, mehr Gelassenheit erfahren und sogar unser Immunsystem wird durch die Erholung nachweislich gestärkt.

Wer hilft mir dabei?
Viele TherapeutInnen haben mittlerweile entsprechende Qualifikationen dafür erlangt und auch Kurse lassen sich leicht finden. Mittlerweile gibt es sogar APPs für Ihr Smartphone. Eine davon wurde gemeinsam mit der Universität Wien entwickelt und zeigte ihre Wirksamkeit auch schon in mehreren Studien. Die App finden Sie unter www.elemental-app.com

Eine abschließende Geschichte
Vor ein paar Wochen kam eine ältere Dame zu mir. Sie war aus dem Iran und musste als junge Frau flüchten. Sie berichtete, dass sie Krebs im Endstadium habe. Sie litt außerdem unter Schmerzen und gleichzeitig möchte sie das verbleibende Leben noch so gut wie möglich genießen. Sie fragte mich, was sie dafür tun könnte. Ich fragte sie, ob sie sich daran erinnern könne, wann sie zuletzt etwas so Köstliches gegessen hat, dass sie sich bei jedem Bissen gedacht hat: „Dieser Genuss sollte gar nie aufhören.“ Sie nickte bejahend und ein Schmunzeln zeichnete sich in ihrem Gesicht ab. Dann sagte ich zu ihr: „Nachdem auch mein Vater Perser war, weiß ich, dass auch Sie persische Eintöpfe lieben. Und manchmal konnten Sie gar nicht aufhören zu essen, weil es so köstlich war. Zuletzt nahmen Sie bestimmt noch ein Stück Fladenbrot und holten sich noch den kleinsten Rest aus Ihrer Schüssel vom köstlichen Geschmack heraus.“ Sie lachte laut auf und sagte: „Genau so war das.“ Dann blickte sie mich ganz klar an und sagte: „Ja, so mache ich das, genauso mache ich das.“

 

Autor: Dr. Bardia MONSHI
Klinischer- & Gesundheitspsychologe
GF Institut für Vitalpsychologie

 

Quellen:
Hanh, Thich Nhat (2016): Einfach lieben; Verlag: O.W. Barth
Ott, Ulrich (2015): Meditation für Skeptiker; Verlag: Droemer TB
Zinn, Kabat (2019): Gesund durch Meditation; Verlag: Knaur MensSana TB

Auszug aus dem Patient.Partner Magazin 02/2019, AT1910757878, Datum der Erstellung: 10/2019


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