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Was tun, wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird?

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Hr. DGKP Mag. Rolf Reiterer informiert in seiner Funktion als diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger (DGKP) mit abgeschlossenem Studium der Rechtswissenschaften direkt in Selbsthilfegruppen oder per Telefon. Die Rubrik behandelt wahre Situationen aus dem Leben mit chronischen Erkrankungen, die ihm im Laufe seiner Tätigkeit bekannt wurden. Die Namen sind dabei zufällig gewählt.

Elisabeth ist Diplomkrankenpflegerin in einer psychiatrischen Anstalt und lebt mit ihrer Familie in einem Häuschen im Grünen. Dass ihr Mann – ein Programmierer in einer bekannten Firma – sie über das Diensttelefon anrief, deutete auf etwas Besonderes hin. Ansonsten schrieben sie sich Nachrichten, falls es etwas auszutauschen galt. Da sie aber ihr Handy nicht bei sich trug, wird er vermutlich wegen einem der Kinder anrufen.

„Deine Mutter hatte einen Schlaganfall und liegt auf der Stroke Unit. Sie haben dich schon verzweifelt versucht zu erreichen!“

Mit einem Mal war die heile Welt zusammengebrochen. Ihre Mutter Ramona war erst 65 und nach dem frühen Tod ihres Vaters eine starke Frau, die ihr Leben zu leben wusste. Dass diese Frau so früh einen solchen Schicksalsschlag erleiden würde, war für Elisabeth nicht im Geringsten aus zu denken. Schon gar nicht ein solch schwerer Schlaganfall.

Sechs Wochen später – die Anschlussrehabilitation brachte sichtlich Erfolge – war Elisabeth wie jeden Tag bei ihrer Mutter zu Besuch. Die linke Seite konnte Ramona zwar wieder bewegen, aber an Gehen war nicht zu denken. Auch die linke Hand war sehr eingeschränkt, da vor allem die Feinmotorik verloren ging.

Ganz nebenbei wurde sie von den Ärzten informiert, dass ihre Mutter in ein oder zwei Tagen entlassen wird. Elisabeth konnte ihre Wut nicht verbergen. Kaum vorstellbar, wie es Menschen erging, die von Pflege gar keine Ahnung haben. Sie hatte zwar Zeit die notwendigsten, pflegerischen Hilfsmittel zu besorgen, da ihre Mutter 35 Kilometer entfernt wohnte, war es nicht möglich, Ramona in ihrem Hause zu betreuen

Selbst als die Mutter einsah, dass sie zu ihrer Tochter ziehen musste, war Elisabeth aufgrund ihres Jobs in einem Dilemma. Zum Glück hatte sie heuer noch keinen Pflegeurlaub verbraucht und informierte sofort die Stationsleitung, dass sie nächste Woche nicht kommen könne. Sie wusste, dass diese Information bei der Chefin keine Begeisterungsstürme auslöste. Elisabeth musste in der Vergangenheit schon oft für ihre Töchter zu Hause bleiben. Für Kinder darf man ja sogar zwei Wochen die Pflegefreistellung (wie sie gesetzlich heißt) konsumieren[1]. Für andere nahe Angehörige darf man jedoch nur eine Woche zu Hause bleiben.

Aber immerhin konnte sie zumindest in einer Woche viel organisieren. Auch wenn man die Pflegefreistellung, im Gegenstück zum normalen Erholungsurlaub, der Arbeitgeberin einseitig erklären kann, hatte Elisabeth Gewissensbisse. Die Stationsleitung musste umplanen und ihre KollegInnen einspringen. Wenn sie mehr Zeit benötigen würde, könnte Elisabeth, nach Ablauf der einen Woche, auch einseitig ihren normalen Erholungsurlaub antreten.[2] Aber als Diplomkrankenpflegerin wusste sie, dass dies nicht die einzige organisatorische Maßnahme bleiben würde: Ihre Mutter konnte sie niemals ganztägig alleine lassen. Also würde sie ihr Dienstausmaß herabsetzen müssen. Darauf gibt es aber wohl keinen Rechtsanspruch. Bekäme sie beispielsweise 50 Prozent Dienstausmaß gewährt, so hätte sie keinen Anspruch darauf, wieder eine Vollzeitstelle zu bekommen, falls ihre Mutter…

…nein daran wollte sie erst gar nicht denken. Aber da gibt es doch diese Familienhospizkarenz. Daran konnte sie sich von ihrer Ausbildung an der Fachhochschule noch erinnern. Musste die zu pflegende Person dafür sterbend sein? Glücklicherweise war ihre Mutter nicht moribund, wie es in der Gesundheitsfachsprache hieß. Doch irgendetwas musste es da doch geben. Sie rief ihren Kollegen Max an, der sich für diesen juristischen Krimskrams sehr interessierte.

MAX: „Es gibt auch eine Pflegekarenz[3] neben der Familienhospizkarenz also der Sterbebegleitung[4]. Bei der Pflegekarenz kannst du schriftlich eine Vereinbarung mit deiner Arbeitgeberin treffen, dass du ein bis drei Monate zu Hause bleibst. Diese Vereinbarung muss deine Arbeitgeberin jedoch zustimmen. Das ist der Unterschied zur Sterbebegleitung, da kannst du eine Erklärung, in welcher du den Grund glaubhaft darstellst[5], abgeben. Deine Arbeitgeberin müsste innerhalb von fünf Tagen beim Arbeits- und Sozialgericht dagegen klagen.[6]

ELISABETH: „Die Sterbebegleitung kommt in meinem Fall aber nicht in Frage und Ich möchte nicht für die Pflegekarenz auf meinen Job verzichten.“

MAX: „Weißt du was? Da gibt es eigentlich auch noch die Pflegeteilzeit[7], wo du für die Dauer von mindestens einem Monat und maximal bis zu drei Monaten deine tägliche Arbeit auf bis zu 10 Stunden herabsetzen lassen kannst. Das wäre ja was für dich, wenn du trotzdem gerne arbeiten würdest.“

ELISABETH: „Danke lieber Max, du hast mir sehr geholfen.“

Als nahe Angehörige gelten die EhegattIn, die/der eingetragene/r PartnerIn und Personen anzusehen, die mit der ArbeitnehmerIn in gerader Linie verwandt sind, ferner Wahl- und Pflegekinder, im gemeinsamen Haushalt lebende leibliche Kinder, Kinder der/des anderen EhegattIn oder der eingetragenen PartnerIn oder LebensgefährtIn sowie die Person, mit der die ArbeitnehmerIn in Lebensgemeinschaft lebt.

§ 16 Abs 1 Urlaubsgesetz

[1] § 16 Abs 2 Urlaubsgesetz

[2] § 16 Abs 4 Urlaubsgesetz

[3] § 14 c AVRAG

[4] § 14 a AVRAG

[5] §14a Abs 2 AVRAG

[6] § 14 a Abs 3 AVRAG

[7] § 14 d AVRAG


, Veröffentlicht in: PatientInnen, Angehörige
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